
Die Geschichte der Schweizer Uhrenindustrie ist reich an Triumphen, doch kaum ein Ereignis war so entscheidend für die Freiheit der Innovation wie die Aufhebung des Schweizer Uhrenstatuts im Jahr 1965. Im Zentrum dieses historischen Kampfes stand die Marke Oris, die nun, sechzig Jahre später, diesen Meilenstein mit der Vorstellung der neuen Oris Star Edition auf der Watches and Wonders 2026 in Genf feiert.
In diesem ausführlichen Beitrag nehmen wir dich mit auf eine Zeitreise in die 1960er-Jahre, beleuchten den unermüdlichen Einsatz von Dr. Rolf Portmann gegen ein lähmendes Kartellgesetz und stellen die technischen sowie ästhetischen Details der neuen Heritage-Edition vor. Erfahre, wie eine Uhr mit tonnenförmigem Gehäuse und nostalgischem Plexiglas nicht nur den Geist einer vergangenen Ära wiederbelebt, sondern auch an den Mut erinnert, der Oris den Weg in die Spitzenklasse der Uhrenhersteller ebnete.
Ein juristischer Feldzug für die uhrmacherische Freiheit
Um die Bedeutung der Oris Star Edition zu verstehen, muss man den Blick zurück in die Mitte des 20. Jahrhunderts werfen. Über drei Jahrzehnte lang wurde die Branche durch das sogenannte Uhrenstatut reglementiert, ein Gesetz aus den 1930er-Jahren, das ursprünglich den Wettbewerbsdruck während der Weltwirtschaftskrise lindern sollte. In der Praxis führte dies jedoch dazu, dass Innovationen ausgebremst wurden und eine mächtige Lobby den Markt kontrollierte.
Oris war von diesem Gesetz besonders hart betroffen, da es das Unternehmen dazu zwang, weiterhin auf weniger präzise Stiftankerwerke zu setzen, anstatt moderne Ankerhemmungen zu entwickeln. Das Statut verwehrte der Marke über lange Zeit den verdienten Aufstieg in die oberste Liga der Schweizer Uhrenhersteller.
Der Wendepunkt kam im Jahr 1956, als der junge Jurist Dr. Rolf Portmann zu Oris stieß. Sein klarer Auftrag war es, sich dem Schweizer Uhrenkartell entgegenzustellen und die Aufhebung des restriktiven Statuts zu erwirken. Zehn Jahre lang kämpfte Portmann unermüdlich an vorderster Front, bis ihm 1965 der entscheidende Durchbruch gelang: Das Gesetz wurde endlich aufgehoben.
Dieser juristische Erfolg war ein Befreiungsschlag für die gesamte Branche und sicherte langfristig auch die Unabhängigkeit von Oris. Nur ein Jahr nach diesem historischen Moment präsentierte das Unternehmen die ursprüngliche Oris Star – die erste Uhr des Hauses mit einer hauseigenen Ankerhemmung.

Die neue Oris Star Edition: Modernistische Eleganz in 35 Millimetern
Die neu vorgestellte Oris Star Edition ist eine detailgetreue Hommage an diese Ära des Aufbruchs. Äußerlich bleibt die Neuvorstellung dem legendären Original von 1966 überaus treu. Das mehrteilige Edelstahlgehäuse besitzt die markante Tonnenform, die in den 1960er-Jahren als futuristisch und zukunftsweisend galt.
Mit einem moderaten Durchmesser von 35 Millimetern und einer Gehäusehöhe von 11,1 Millimetern fängt die Uhr die Proportionen jener Zeit perfekt ein, ohne an moderner Präsenz zu verlieren. Ein besonderes Merkmal sind die elegant in die Form integrierten Bandanstöße, die für einen fließenden Übergang zum schwarzen Lederarmband sorgen.
Das silbrige Zifferblatt der Star Edition besticht durch eine klare und schlichte Ästhetik, die typisch für den modernistischen Stil der 60er-Jahre ist. Zweifache Stabindizes und Zeiger mit einer quadratischen Spitze verleihen dem Gesicht der Uhr einen unverwechselbaren Charakter.
Ein bewusst asymmetrisch platziertes Datumsfenster bei 3 Uhr sowie die nostalgische Verwendung von Plexiglas als Deckmaterial setzen gezielte Vintage-Akzente. Die dezenten Schriftzüge „Star“, „Automatic“ und „26 Jewels“ verweisen stolz auf die mechanische Tradition, die mit dem Fall des Uhrenstatuts erst vollends ermöglicht wurde.
Mechanische Zuverlässigkeit unter dem historischen Oris-Schild
Während die Optik der Oris Star Edition eine reine Verneigung vor der Vergangenheit ist, arbeitet im Inneren modernste Schweizer Technik. Das Automatikwerk Oris Calibre 733-1 sorgt für einen präzisen Antrieb und bietet eine Gangreserve von etwa 41 Stunden.
Es verfügt über praktische Funktionen wie einen Datumssprung, einen Datumskorrektor sowie einen Sekundenstopp für die exakte Zeiteinstellung. Die Wasserdichtigkeit ist mit 5 bar angegeben, was die Uhr zu einem alltagstauglichen Begleiter macht, der über die bloße Rolle eines reinen Sammlerstücks hinausgeht.
Ein besonders schönes Detail für Kenner der Markenhistorie findet sich auf dem verschraubten Gehäuseboden aus Edelstahl. Dort prangt eine Gravur des ikonischen Oris-Schildes aus den 1960er-Jahren. Dieses Symbol steht sinnbildlich für die Standhaftigkeit des Unternehmens, das sich wie ein „Stehaufmännchen“ durch die verschiedenen Krisen der Uhrenindustrie gekämpft hat.
Die neue Edition ist nicht limitiert und wird ab Mai 2026 zu einem überaus attraktiven Preis von 1.800 Euro im Handel erhältlich sein. Sie richtet sich an Uhrenliebhaber, die Wert auf echte Handwerkskunst und eine Geschichte legen, die weit über das bloße Design hinausgeht.

Ein bleibendes Erbe für die Schweizer Uhrmacherkunst
Die Oris Star Edition ist mehr als nur eine gelungene Retro-Uhr; sie ist eine Würdigung der Lebensleistung von Dr. Rolf Portmann. Der heute über neunzigjährige Ehrenpräsident von Oris hat durch seinen unermüdlichen Einsatz nicht nur die Zukunft seines eigenen Unternehmens gesichert, sondern den Weg für die gesamte moderne Schweizer Uhrenbranche geebnet. Wie der Uhrenhistoriker Gisbert L. Brunner treffend bemerkt, hätte das verhängnisvolle Uhrenstatut ohne Portmanns Hartnäckigkeit wahrscheinlich noch wesentlich länger Bestand gehabt.
Die neue Uhr bringt dieses faszinierende Kapitel der Geschichte zurück ans Handgelenk und beweist, dass Schlichtheit in Verbindung mit einer starken Identität zeitlos bleibt. Wer heute eine Oris Star Edition trägt, trägt zugleich ein Stück gewonnenes Recht auf Innovation und unternehmerischen Mut bei sich.
Felix Janner
Hey Freunde, ich bin Felix! Meine Reise bei ALTHERR hat im Jahr 2020 als Freelancer begonnen. Angefangen habe ich damit, Artikel für das Magazin zu schreiben sowie den Instagram-Account von ALTHERR zu führen. Mittlerweile habe ich eine Ausbildung im E-Commerce angefangen und meine Aufgaben sind deutlich vielfältiger. Dennoch hält es mich nicht davon ab, hin und wieder mal einen knackigen Artikel für euch zu verfassen.



