
In genau einem Monat ist es soweit: Am 13. November findet der begehrte Grand Prix d’Horlogerie de Genève, kurz GPHG, statt. Bei dieser Veranstaltung versammelt sich die Elite der Uhrenszene, um die herausragenden Leistungen in der Uhrenindustrie in diesem Jahr zu würdigen. Dieser Contest, der den Beinamen “Oscar der Uhrenhersteller” trägt, hat sich zu einem der wichtigsten Ereignisse in der Uhrenwelt entwickelt. Die nominierten Uhren stehen bereits fest. In diesem Artikel gehen wir auf die Geschichte des GPHG sowie jene Modelle genauer ein, die in den unterschiedlichen Kategorien antreten.

Die Geschichte des GPHG
Der GPHG wird von der Stiftung Fondation du Grand Prix d’Horlogerie de Genève organisiert. Eine unabhängige Jury aus Fachleuten, Uhrmacher, Journalisten, Händlern und erfahrenen Sammlern, wählt die Preisträger in verschiedenen Kategorien aus. Diese Kategorien umfassen unter anderem “Time only”, “Iconic”, “Sport”, oder auch “Calendar and Astronomy”. Das ursprüngliche Ziel war vor allem, herausragende Handwerkskunst und das technische Können der Schweizer Uhrenhersteller zu würdigen und zu fördern.
Die Trophäe für die siegreichen Manufakturen besteht aus einer goldenen, abstrahierten Hand, die in die Höhe ragt. Die Form der Hand symbolisiert die handwerkliche Kunst und das Können, die in die Herstellung einer Uhr einfließen – ein Verweis auf die „unsichtbare Hand“ der Uhrmacher, die für Präzision und Detailgenauigkeit verantwortlich sind.
Bei der ersten Ausgabe im Jahr 2001 gab es insgesamt sieben Kategorien. Unter den ersten Siegern befanden sich renommierte Marken wie Vacheron Constantin, Patek Philippe und Blancpain. Allerdings schaffte es sogar Gucci, das nicht für ihre Uhrenkunst bekannt ist, in die Siegerliste. Mit der Réveil de voyage (auf Deutsch Reisewecker) gewann die italienische Modemarke in der Kategorie der kleinen Pendeluhren. In den vergangenen Jahren kamen neue Kategorien hinzu.

Drei Nominierungen für IWC
Das Schweizer Uhrenunternehmen IWC zählte zu den Gewinnern der heurigen Watches & Wonders in Genf. Sie sorgten mit mehreren Modellen für Aufsehen und das hat sich für das Team aus Schaffhausen ausgezahlt. In der Kategorie “Calendar and Astronomy” ist das Modell Portugieser Perpetual Calendar vertreten. In der Kategorie “Iconic” hat die Big Pilot’s Watch 43 Tourbillon harte Konkurrenz. Und auch in der Abteilung “Sport” mischt IWC ganz vorne mit. Hier hat sich die Jury für den Pilot’s Watch Performance Chronograph 41 des Formel-1-Teams Mercedes – AMG Petronas entschieden.

Dank einer Flugzeugturbine, die auf ihrer kleinen Sekunde montiert ist, wurde die Big Pilot’s Watch Edition „Markus Bühler“ aus dem Jahr 2008 zu einer der begehrtesten Sondereditionen in der Geschichte von IWC. Die Big Pilot’s Watch 43 Tourbillon Markus Bühler, die weltweit auf 51 Stück limitiert ist, stellt eine exklusive Neuinterpretation dieses Sammlerstücks dar. Diesmal wurde das charakteristische Flugzeugtriebwerk in ein fliegendes Minutentourbillon bei 6 Uhr integriert.
Die Portugieser Perpetual Calendar zeichnet sich durch eine komplett überarbeitete Gehäusekonstruktion mit einem schlankeren Gehäusering aus. Randgewölbte Gläser mit auf Vorder- und Rückseite geben den Blick frei auf die aufwändig gearbeiteten Zifferblätter und das Manufakturkaliber 52616, das mit einem Pellaton-Aufzug mit Keramikkomponenten ausgestattet ist und eine Gangreserve von sieben Tagen bietet.

Dank eines neu entwickelten 400-Jahres-Rads, das nur eine Umdrehung alle vier Jahrhunderte vollzieht, wird der Kalender über 400 Jahre hinweg drei Schaltjahre überspringen – ein Ereignis, das erstmals im Jahr 2100 stattfinden wird. Der ewige Kalender wird das Schaltjahr korrekt bis mindestens zum Jahr 3999 berechnen, da noch keine offizielle Entscheidung darüber getroffen wurde, ob das Jahr 4000 ein Schaltjahr sein wird.

Mit dem Pilot’s Watch Performance Chronograph präsentiert das Unternehmen einen Chronographen, der kompromisslos auf Leistung optimiert wurde. Seit 2013 ist IWC der „Offizielle Engineering-Partner“ des Teams von Mercedes in der Formel 1. Das 41-Millimeter-Gehäuse und der Gehäusering bestehen aus Ceratanium®. Dieses von IWC entwickelte, leichte Material basiert auf einer speziellen Titanlegierung und vereint die Leichtigkeit und strukturelle Integrität von Titan mit der Härte und Kratzfestigkeit ähnlich wie Keramik.

Holt sich TUDOR erneut einen Titel?
Ein Dauergast beim GPHG ist TUDOR. Die Schweizer schafften neun Siege in zehn Jahren. Beim Contest im vergangenen Jahr holte sich die Pelagos 39 die begehrte Trophäe in der Kategorie “Sport”. Das Urteil der Jury: “Bei der Pelagos 39 handelt es sich um eine vielseitige Uhr an der Schnittstelle zwischen der Welt des technischen Tauchens und des urbanen Flairs.”
In der Kategorie “Kleiner Zeiger” (Petite Aiguille) tritt die TUDOR Black Bay 58 GMT an. Dieses neue Modell erinnert an eine Ära, in der das Reisen über Zeitzonen hinweg ebenso neuartig war wie der damit verbundene glamouröse und elegante Stil. Es ist mit dem neuen mittelgroßen GMT-Manufakturkaliber MT5450-U von TUDOR ausgestattet und kombiniert die Farbtöne in Burgunderrot, Schwarz und Gold auf der Lünette. In Fachkreisen wird sie daher auch “Coke” genannt.

TUDOR war in den vergangenen Jahren im Bereich der Chronographen sehr aktiv. In diesem Jahr stellte das Schweizer Unternehmen für die Fahrer des TUDOR Pro Cycling die Pelagos FXD Chrono vor: einen Chronographen mit Fahrradsport-Thematik, der mit Blick auf geringes Gewicht und Funktionalität entworfen wurde. Mit einem Gehäuse aus Carbon-Verbundstoff und einem Hochleistungs-Manufakturkaliber MT5813 spiegelt diese Uhr den sportlichen Geist eines Teams wider, das an einigen der härtesten Radrennen der Welt teilnimmt, darunter auch der Giro d’Italia. Das brachte ihnen eine Nominierung in der Kategorie “Sport”.

TAG Heuer und Zenith mischen ebenfalls mit
Doch die Konkurrenz in der Sport-Kateogrie ist hart. Neben IWC mischen auch noch TAG Heuer und Zenith im Rennen um die begehrte Trophäe mit. Die Jury in Genf nominierte den Monaco Split-Seconds Chronographen und den Chronomaster Original Triple Calendar.

Mit dem Herzstück des TAG Heuer Monaco Split-Seconds Chronographen, dem neu eingeführten mechanischen Split-Seconds-Chronographenkaliber TH81-00, wurde eine erneute Reise in die Welt der Uhreninnovation unternommen.
Das komplett aus Titan gefertigte Kaliber ist eines der leichtesten automatischen Chronographenwerke, das jemals von TAG Heuer in Zusammenarbeit mit dem angesehenen Hersteller Vaucher Manufacture Fleurier geschaffen wurde. Das Gewicht der Uhr beträgt nur 85 Gramm.
Im neuen Chronomaster Original Triple Calendar kombinier Zenith die hochmoderne Leistung der neuesten Inkarnation seines legendären automatischen Hochfrequenz-Chronographen-Kalibers namens El Primero mit einem Triple Calendar und einer Mondphase – alles in einem kompakten und historisch inspirierten Design, das unverkennbar für den Chronomaster ist.
Das El Primero wurde von Anfang an so konzipiert, dass es die Funktionen eines Triple Calendar und einer Mondphase integrieren konnte. 1970 wurden 25 Prototypen als Machbarkeitsnachweis produziert

Nominierung für Breitlings Weltraum-Ikone
Für Breitling geht in der Kategorie “Iconic” der Navitimer B12 Chronograph 41 Cosmonaute ins Rennen, der eine interessante Historie aufweisen kann. Im Jahr 1962 wandte sich Mercury-Seven-Astronaut Scott Carpenter mit einer einzigartigen Bitte an Breitling: Er wollte das Design der Navitimer für die Weltraumforschung modifizieren lassen. Carpenter, beeindruckt von der rechnerischen Präzision der Uhr, bat um ein 24-Stunden-Zifferblatt, um Tag und Nacht im Orbit unterscheiden zu können. Breitling stellte sich der Herausforderung, und die angepasste Navitimer, später als Cosmonaute bekannt, begleitete Carpenter auf seiner Mission am 24. Mai 1962 und wurde zur ersten Schweizer Armbanduhr im Weltraum.
Zum 140. Jubiläum von Breitling bringt das Unternehmen eine limitierte Edition der 24-Stunden-Uhr heraus. Diesmal ist die Hauptmodifikation jedoch nicht für die Schwerelosigkeit gedacht, sondern für den Alltag: ein automatisches Chronographenwerk, das Breitling Manufakturkaliber B12.

Big in Japan mit der Grand Seiko SLGW003
Last but not least darf bei den Kandidaten auch Grand Seiko nicht fehlen. Die Japaner sind mit ihrem neuen Modell SLGW003 in der Kategorie “Men’s” nominiert. Diese Dresswatch ist mit Grand Seikos Kaliber 9SA4 ausgestattet, dem ersten mechanischen Uhrwerk mit Handaufzug und 36.000 Halbschwingungen pro Stunde seit 50 Jahren.
Das Gehäuse und die Schließe bestehen aus Brilliant Hard Titanium, das doppelt so hart ist wie Edelstahl, korrosions- und kratzfest, und leichter. Das Kaliber 9SA4 erreicht mit 15 Prozent weniger Kronenumdrehungen eine Gangreserve von 80 Stunden. Die Uhr hat einen angenehmen Durchmesser von 38,6 Millimeter und ist nur 9,95 Millimeter hoch.


Die Vergabe der Preise
Nun habt ihr einen guten Überblick über die heurigen Nominierungen in den unterschiedlichen Kategorien. Die offizielle Zeremonie für die Übergabe der Preise findet am Mittwoch, dem 13. November, bei der 24. GPHG-Preisverleihung statt. Das Ereignis geht im Théâtre du Léman in Genf über die Bühne und wird live auf gphg.org übertragen. Natürlich werden wir euch ebenfalls über den Ausgang dieses Events berichten.

Harald Saller
Mein Einstieg in die Welt der Uhren verdanke ich einem Film. Als Kind war ich fasziniert von dem actionreichen Streifen "Le Mans" mit Steve McQueen. Dank ihm wurde die Heuer Monaco zu einer Ikone in der Uhrenwelt. Dieses Modell markierte 2009 meinen Einstieg in die Welt der Premium- und Luxusuhren.
In den vergangenen zwei Jahren habe ich mich intensiv mit Uhren, ihren Techniken und Geschichten auseinandergesetzt. Ich schaue vor allem gerne hinter die Kulissen.
Aber was ist eigentlich das Faszinierende an Uhren? Ich könnte jetzt eine lange Liste erstellen, um zu erklären, warum Uhren ein tolles Hobby sind. Letztendlich sind es jedoch die positiven Emotionen, die Armbanduhren in mir auslösen. Als Journalist versuche ich, diese Emotionen in meinen Texten unseren Leserinnen und Lesern näherzubringen.