
Die Watches and Wonders 2026 in Genf markiert einen historischen Meilenstein: TUDOR feiert sein 100-jähriges Jubiläum. Zu diesem besonderen Anlass präsentiert die Marke weit mehr als nur dezente Modellpflege. Mit der Einführung der völlig neuen Monarch-Linie, umfangreichen technischen Upgrades für die Royal-Kollektion und spannenden Veränderungen innerhalb der Black Bay Familie setzt TUDOR ein deutliches Ausrufezeichen in der Uhrenwelt.
In diesem Beitrag erwartet dich ein detailliertes Interview zwischen Benedict (ALTHERR) und dem Experten Patrick vom TUDOR Watch Club. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen der Neuvorstellungen, analysieren das neue „Arrow Proof“-Zifferblatt, diskutieren über den mutigen Schritt in neue Preisregionen und erfahren, warum die Black Bay 58 Navy Blue überraschend aus dem Programm fällt. Ein tiefgehender Austausch über Tradition, moderne Manufakturkaliber und die Frage, was uns im restlichen Jubiläumsjahr noch erwarten könnte.

Die TUDOR Monarch — eine komplett neue Linie
Benedict: Patrick, wenn du jetzt auf alles blickst, was TUDOR dieses Jahr gebracht hat — was war für dich das größte Highlight?
Patrick: Die TUDOR Monarch, muss ich echt sagen. Die hat mich sehr, sehr überrascht, weil es wirklich ein Highlight ist. Nicht irgendwie eine neue Farbe oder ein Auffrischen eines Modells durch eine Bandvariante, sondern komplett neu. Eine komplett neue Linie, eine klassische Uhr. Es geht schon Richtung Vintage, muss man echt sagen. Und das Faszinierende ist, dass da so viel neu ist — viele Sachen, die dir auf den ersten Blick gar nicht auffallen.
Benedict: Wenn wir mal einen Vergleich ziehen: Im Archiv gekramt haben sie ja damals auch bei der Black Bay, als sie das erste Mal vorgestellt wurde. Altes genommen, aber dann alles vergessen und eine neue Uhr kreiert. Erkennst du dieses Muster wieder — nur eben in eine andere Richtung, nicht Taucheruhr?
Patrick: Es gab die Monarch ja schon als moderne Linie, auch vom Gehäusetyp her, mit einer eigenständigen Lünette. Aber ich glaube, die neue Monarch hat damit gar nichts mehr zu tun. Wenn du die siehst — die Zeiger, die Indizes, das arabische Error-Proof-Zifferblatt …
Benedict: Der Begriff „California Dial” ist ja geschützt.
Patrick: Genau. Aber TUDOR hatte diese Art von Zifferblättern schon in den Fünfzigern und Sechzigern. Das ist also durchaus ein Stück TUDOR-Heritage, das hier wieder auflebt.
Preis und Rechtfertigung — TUDOR betritt neues Terrain
Benedict: Was sie mit diesem Paket machen, ist mutig: TUDOR dringt in neue Preisregionen vor. Die Monarch startet bei 5.340 Euro. Wie siehst du das?
Patrick: Es ist immer einfacher, einer komplett neuen Uhr einen anderen Preis zu geben. Ob der jetzt angenommen wird, ob er gerechtfertigt ist — man muss sehen, was man als Träger nicht so sieht. Was steckt an Entwicklung dahinter? Thema Werkzeug. Man kann nicht einfach sagen: „Wir fertigen die in derselben Linie wie eine Black Bay.” Das geht nicht. Da steckt dieser Preis auch mit drin.
Benedict: Das siehst du vor allem am Gehäuse. Die Art und Weise, wie die Seiten bearbeitet sind — Politur, abgekantet.
Patrick: Genau! Wie ein geschliffener Diamant sieht das von der Seite aus. Und dann solche Details wie die Krone: Da ist das TUDOR-Wappen mit dem Schriftzug „Monarch” eingraviert. Wunderschönes Detail. Bei den ersten Black-Bay-Heritage-Modellen hattest du die Rose in der Krone, schwarz hinterlegt. Das Problem war, dass die schwarze Farbe nach einer Zeit rausgebrochen ist, wenn man mal irgendwo angestoßen ist. Das ist übrigens auch ein kleiner Sammler-Tipp: Wenn jemand eine Black Bay der ersten Generation als „ungetragen” verkauft, schau seitlich auf die Krone. Fehlt die schwarze Farbe der Rose, wurde die Uhr entweder getragen oder war schon im Service.
Benedict: Solche Details bringen sie bei einer neuen Linie, um den Preissprung zu rechtfertigen. Das Uhrwerk ist wunderschön — ein Manufakturkaliber mit Glasboden, Master-Chronometer-Zertifizierung. Bei den meisten TUDOR-Uhren bleibt das Werk ja verdeckt.
Patrick: Genau. Und das ist jetzt gerade mal die erste Uhr dieser Linie. Wenn man sieht, wo bei anderen Modellen wie der Black Bay oder der Pelagos die Reise hinging – es gab auch Modelle, die nicht so angenommen wurden, obwohl es richtig schöne Uhren waren, die North Flag zum Beispiel. Aber bei der Monarch sehe ich wirklich Potenzial für mehr. Thema Gangreserve, was auf dem Zifferblatt noch passieren kann, die kleine Sekunde, die farblichen Möglichkeiten, verschiedene Größen. Das wird spannend.

Design-Philosophie — Snowflake neu interpretiert
Benedict: Was mir gut gefällt: Sie haben den Snowflake-Zeiger beibehalten, der eigentlich ganz klar aus sportlichen TUDOR-Uhren kommt, aber in ein filigraneres Uhrendesign überführt. Zusammen mit dem Papyrus-Zifferblatt funktioniert das hervorragend.
Patrick: Die Farbe ist auch gut getroffen. Vintage-Vibe, ohne zu forciert zu wirken. Die Uhr versucht nicht, etwas zu sein, was sie nicht ist — eine moderne Uhr mit Vintage-Anleihen. Und sie bleiben dem Snowflake-Zeiger treu, was ein Riesenpunkt ist. Man hätte da auch andere Zeiger draufpacken können — Mercedes-Zeiger zum Beispiel, wie bei den alten Submariner-Modellen. Aber das hier passt. Ausgestanzt, beschichtet oder lackiert — das ist schon genial.
Black Bay 58 — Neustart in Schwarz
Benedict: Dann lass uns zur Black Bay 58 kommen. Acht Jahre nach dem Erscheinen der ersten Generation war das Design in die Jahre gekommen.
Patrick: Die Navy Blue fällt aus dem Programm. Die wird es so nicht mehr geben. Stattdessen bleibt die 58 jetzt mit dem schwarzen Zifferblatt, gepaart mit dem neuen fünfgliedrigen Band und der T-Fit-Schließe. Plus Master Chronometer.
Benedict: Die T-Fit-Schließe hatten sich viele gewünscht. An der Black Bay 58 GMT war sie ja schon dran. Im Prinzip einfach die Hausaufgaben gemacht und das Ding glattgezogen. Das war klar, dass die Uhr irgendwann so kommt. Bei 4.830 Euro liegt sie auch preislich im Rahmen.
Patrick: Auf jeden Fall. Und du hast jetzt natürlich auch die Möglichkeit mit dem Kautschukband, was der Uhr nochmal einen anderen Charakter gibt.
Black Bay 58 in Rot — ein Community-Erfolg
Benedict: Wie kam eigentlich die rote BB58 bei euch im TUDOR Watch Club an?
Patrick: Die war ein absoluter Knaller. Die Uhr kann was am Handgelenk — fällt auf, ist richtig knallig. Die Farbgebung mit dem Sunbrushed-Zifferblatt ist genial. Aus der Community kam das durchweg positiv, und ich sehe sie inzwischen auch sehr viel am Handgelenk. Die wurde nicht nur gefeiert, sondern auch gekauft.
Black Bay 54 Sapphire Blue — das neue Blau
Benedict: Die Navy Blue ist also Geschichte, aber in einem neuen Blauton kommt die Farbe in der Black Bay 54 zurück.
Patrick: Es ist eine schöne Farbgebung, aber schon sehr kräftig. Ich bin gespannt, wie sie angenommen wird. Die ersten Eindrücke sind durchweg positiv. Für 4.280 Euro am dreigliedrigen Stahlband oder 4.060 Euro am Kautschukband bekommst du eine monochrome 54er — die erste in dieser Art. Und natürlich spielt Blau auch in der Royal Collection dieses Jahr eine große Rolle.
Royal Collection — das unterschätzte Highlight
Benedict: Ich glaube, last but not least müssen wir über die Royal sprechen. Bei uns in der Community war da die größte Resonanz — ein Highlight, mit dem grundsätzlich niemand gerechnet hat.
Patrick: Die Royal ist komplett überarbeitet worden. Die Lünette wurde neu gestaltet, die Schließe überarbeitet, und wir haben jetzt das METAS-zertifizierte Werk in allen Größen — 30, 36 und 40 Millimeter. Dazu neue Farben und Bicolor-Modelle. Der grüne Farbton mit dem Sonnenschliff-Zifferblatt ist schon was Besonderes: An der Sonne richtig knallig grün, im Schatten geht er fast ins Schwarze.
Benedict: Die 40-Millimeter-Variante ist neu dazugekommen — das war vorher die Lücke.
Patrick: Genau, und das ist natürlich ein Knaller. Ich hatte die 40er vorhin selber am Handgelenk, super tragbar. Das Grün gibt es auch in 36 Millimeter. Und dann ist da noch dieses helle Blau …
Benedict: Himmelblau trifft es gut. Mit einem schönen, etwas dunkleren Kontrast über den Indizes. Das frischeste Royal-Design, das ich bisher gesehen habe.
Patrick: Und für die Damen gibt es das 30-Millimeter-Modell in einem richtig knalligen Rot mit Brillanten. Ich persönlich bin jetzt nicht der Brilli-Fan, aber an der Uhr, für jemanden, der das Glitzernde will — die ist echt cool. Die Einstiegspreise starten ab 3.110 Euro mit Manufakturkaliber und COSC-Zertifizierung. Das ist eine Ansage.
Ausblick — was kommt noch 2026?
Benedict: Wir feiern dieses Jahr 100 Jahre TUDOR, aber für TUDOR selbst stand das gar nicht so sehr im Fokus. Die Erwartungen waren hoch — im dritten Jahr in Folge haben viele auf einen Big Block Chrono gehofft. Was erwartest du noch für den Rest des Jahres?
Patrick: Ich denke, wir werden über das Jahr hinweg vielleicht noch ein weiteres Modell sehen, das die Monarch-Linie ergänzt — ob in einer anderen Größe oder Farbgebung, lassen wir auf uns zukommen. TUDOR überrascht uns ja meistens mit einer Limited Edition oder einer Kooperation. Aktuell gibt es ja auch die neue Zusammenarbeit mit den Flying Red Bulls. Und dann ist da noch das Black Bay 41 Ceramic — komplett in Schwarz. Da ist, glaube ich, echt noch Platz für Farbe.
Benedict: Guter Schlusspunkt. Falls ihr noch mehr Content wollt: Schaut euch unsere ALTHERR Show mit Patrick an, da haben wir auch einen schönen Rundumflug zur Marke TUDOR gemacht.
Felix Janner
Hey Freunde, ich bin Felix! Meine Reise bei ALTHERR hat im Jahr 2020 als Freelancer begonnen. Angefangen habe ich damit, Artikel für das Magazin zu schreiben sowie den Instagram-Account von ALTHERR zu führen. Mittlerweile habe ich eine Ausbildung im E-Commerce angefangen und meine Aufgaben sind deutlich vielfältiger. Dennoch hält es mich nicht davon ab, hin und wieder mal einen knackigen Artikel für euch zu verfassen.



