
Die TAG HEUER Monaco ist weit mehr als nur eine Uhr mit quadratischem Gehäuse; sie ist ein Stück Zeitgeschichte am Handgelenk. In unserem exklusiven Interview mit Nicholas Biebuyck, dem Heritage Director von TAG HEUER, tauchen wir tief in die DNA dieser Ikone ein. Erfahren Sie, warum die Monaco 1969 wie ein „Alien-Raumschiff“ in den Schaufenstern wirkte, welche Rolle Steve McQueen tatsächlich bei ihrem Erfolg spielte und wie das neue Modell 2026 den schwierigen Spagat zwischen historischer Hommage und moderner Ergonomie meistert. Außerdem lüften wir das Geheimnis um das legendäre Kaliber 11 und den dramatischen Wettlauf um den ersten Automatik-Chronographen der Welt.

Das Interview: Nicholas Biebuyck über die Legende Monaco
Johannes (ALTHERR): Nick, vielen Dank für deine Zeit. Du hast die neue Monaco jetzt schon eine Weile am Arm. Bevor wir in die Historie eintauchen: Wie fühlt sie sich für dich persönlich an?
Nicholas Biebuyck: Ich trage sie jetzt seit etwa zwei Monaten und ehrlich gesagt hatte ich seit fast 20 Jahren keine Uhr mehr, zu der ich sofort eine so starke Verbindung aufgebaut habe. Jedes Mal, wenn ich sie anlege, wird es besser. Besonders die neue skelettierte Version ist ein Schatz. Ich glaube, sie wird einen enormen Einfluss auf die Industrie haben.
Johannes: Du bist ja ein ausgewiesener Vintage-Experte. Warum glaubst du eigentlich, dass gerade die Monaco zu dieser unantastbaren Ikone wurde? War es nur das Design?
Nicholas Biebuyck: Man muss verstehen, wie die Welt 1969 aussah. Wer damals in ein Uhrengeschäft ging, sah konservative Klassiker wie die Daytona, den Navitimer oder die Speedmaster. Und dann stand da plötzlich dieser quadratische, wasserdichte Chronograph mit der Krone auf der „falschen“ Seite. Ich sage immer: Es war, als wäre ein Alien-Raumschiff gelandet. Es war brutalistische Architektur fürs Handgelenk – kantig, gepolstert, avantgardistisch. Sie war ihrer Zeit eigentlich voraus. Kommerziell war sie anfangs sogar ein Misserfolg und wurde nach fünf Jahren eingestellt. Erst 1997 kam sie zurück und wurde zu dem Welterfolg, den wir heute kennen.
Johannes: Viele schreiben diesen Erfolg ja vor allem dem Film „Le Mans“ und Steve McQueen zu. Wie kam es damals eigentlich zu dieser Partnerschaft? War das ein genialer Marketing-Schachzug von Heuer?
Nicholas Biebuyck: Überhaupt nicht! Das war kein Marketing-Stunt. Steve McQueen kam 1969 zur Produktion nach Le Mans und wollte aussehen wie der Rennfahrer Jo Siffert. Er trug dessen Rennanzug, auf dem bereits das Heuer-Logo prangte. Als es um die Wahl der Uhr ging, legte der Requisitenmeister verschiedene Marken auf den Tisch: Rolex, OMEGA, Longines und eben Heuer. McQueen sagte: „Ich habe das Heuer-Logo auf meinem Anzug, Jo trägt Heuer, also nehme ich auch eine Heuer.“ Er entschied sich instinktiv für die Monaco statt für die Carrera oder Autavia. Er war ein kreativer Visionär und verstand das Design. Wir wissen heute von sieben Uhren, die am Set waren – eine davon wurde kürzlich für über 2,2 Millionen Dollar versteigert.
Johannes: Wenn wir uns die neue Generation anschauen: Welche Merkmale zollen dem Original von 1969 den meisten Tribut?
Nicholas Biebuyck: Wir würden niemals ein Modell einfach nur eins-zu-eins kopieren, wir sind keine Marke für reine Re-Editions. Aber wir haben die DNA präzise extrahiert. Das Saphirglas ist wieder „umgekehrt“ gewölbt – von 3 bis 9 Uhr kurvig, von 6 bis 12 Uhr gerade. Das ist ein ganz entscheidender Code. Auch die horizontalen Indizes sind zurück, allerdings in einer viel hochwertigeren, plastischen Form. Und natürlich die Krone auf der linken Seite beim Modell mit dem TH20-00 Kaliber. Das ist eine Signatur, die wir beibehalten mussten, auch wenn es technisch heute einfacher wäre, sie rechts zu platzieren.
Johannes: Das bringt mich zum Thema Tragekomfort. Die Monaco war in der Vergangenheit oft als „bulkig“ verschrien. Wie macht man so ein kantiges Heritage-Design bequem, ohne den Charakter zu verlieren?
Nicholas Biebuyck: Das war die größte Herausforderung. Die Monaco muss eine gewisse Präsenz haben, sie darf nicht zu dünn sein. Aber wir haben gelernt, das Gehäuse zu „taperen“, also zu den Kanten hin dünner werden zu lassen. Der Gehäuseboden ist konvex, sodass die Uhr tiefer im Handgelenk sitzt. Julien, unser Designer, hat einen fantastischen Job gemacht, das Profil so anzuwinkeln, dass die Hörner (Lugs) perfekt anliegen. Wir nutzen Titan, um das Gewicht zu senken. Die Ergonomie war von Tag eins an das Hauptthema des Projekts.
Johannes: Eine strategische Entscheidung fällt auf: Auf den neuen Modellen steht überall „TAG HEUER“. Viele Puristen vermissen das schlichte „Heuer“-Logo der Re-Issues. Warum dieser Cut?
Nicholas Biebuyck: Ganz ehrlich: Wir sind TAG HEUER. Wir sollten stolz auf unsere heutige Identität sein. Wer ein Heuer-Logo will, für den gibt es hunderttausende fantastische Vintage-Uhren. Wir sollten besser darin werden, euch echte Vintage-Stücke zu verkaufen, statt alte Logos auf neue Uhren zu kleben. Es wird immer Ausnahmen geben, aber für die Standardkollektion stehen wir zu TAG HEUER.
Das Rennen um das erste Automatik-Chronographen-Kaliber
Johannes: Ein Thema, das die Sammlerwelt immer noch spaltet, ist das Kaliber 11. Kannst du die Hintergründe dieser ungewöhnlichen Allianz zwischen Heuer, Breitling, Büren und Hamilton erklären?
Nicholas Biebuyck: Das ist eine faszinierende Geschichte. 1965 stellte der Uhrenverband fest, dass Automatikuhren immer beliebter wurden, während die Verkäufe von Handaufzugs-Chronographen stagnierten. Willy Breitling und Jack Heuer – die eigentlich Konkurrenten waren, aber enge Freunde – taten sich zusammen. Da keine der Marken damals eigene Werke entwickelte, suchten sie Partner.
Büren lieferte das Basiswerk mit Mikrorotor, Dubois-Dépraz entwickelte das Chronographen-Modul oben drauf. Heuer und Breitling finanzierten die Entwicklung gemeinsam. Das war das „Projekt 99“. Am 3. März 1969 präsentierten wir das Ergebnis. Zenith hatte den El Primero zwar kurz zuvor im Januar angekündigt, aber wir waren die Ersten, die tatsächlich Uhren in die Läden brachten. Es war eine industrielle Kooperation aus Notwendigkeit, die perfekt funktionierte, weil Breitling eher in der Luftfahrt und Heuer im Motorsport stark war.
Johannes: Das Kaliber 11 war modular aufgebaut (Büren-Basis + Modul), während Zenith auf ein integriertes Werk setzte. Definiert dieser philosophische Unterschied heute noch, wie Sammler über diese Werke denken?
Nicholas Biebuyck: Absolut. Puristen lieben oft die integrierte Bauweise des El Primero. Aber unser modularer Ansatz war eine geniale Ingenieursleistung für die damalige Zeit. Er ermöglichte es uns, ein flaches Automatikwerk zu bauen, indem wir den Mikrorotor nutzten. Die Krone musste nach links wandern, weil dort der Platz für die Mechanik des Moduls war – so entstand zufällig eines der markantesten Designmerkmale der Monaco.
Motorsport als Nordstern
Johannes: In den 1960ern brachte Heuer mit der Autavia, der Carrera und der Monaco drei Ikonen in einem Jahrzehnt heraus. War das ein Masterplan von Jack Heuer?
Nicholas Biebuyck: In der Rückschau wirkt es wie ein Plan, aber damals war es viel Instinkt. Jack Heuer setzte fast alles auf die Karte Motorsport. Das war damals ein echtes Wagnis. Er verhandelte mit Jo Siffert, brachte das Logo auf die Autos, später die Partnerschaft mit Ferrari. Dieser absolute Fokus auf eine Disziplin, in der wir dominieren konnten, war der Schlüssel. Motorsport ist unser Nordstern. Ob 1992 als Zeitnehmer der Formel 1 oder heute mit Red Bull Racing und Porsche – Präzision unter extremen Bedingungen ist unsere Identität.
Johannes: Eine letzte Frage zur Carrera: Warum nannte Jack Heuer sie nach der „Carrera Panamericana“, einem Rennen, das damals schon seit fast zehn Jahren nicht mehr stattfand?
Nicholas Biebuyck: Er liebte einfach den Klang des Wortes. „Carrera“ bedeutet Rennen, Karriere, Pfad. Es klang in jeder Sprache gut – sexy, schnell und elegant. Er hörte die Geschichte des Rennens von den Rodriguez-Brüdern bei den 12 Stunden von Sebring und war sofort fasziniert. Heute trägt der Name wahrscheinlich sogar mehr Gewicht als damals, weil er weltweit mit Präzision und Stil assoziiert wird.
Johannes: Nick, vielen Dank für diese tiefen Einblicke in die Welt von TAG HEUER.
Nicholas Biebuyck: Es war mir ein Vergnügen, Johannes!

Zusammenfassung: Die wichtigsten Fakten der neuen Monaco 2026
Die neue Monaco 2026 markiert eine beeindruckende Evolution des legendären Originals von 1969 und schlägt gekonnt die Brücke zwischen historischem Erbe und moderner Hochleistung. Während die ursprüngliche Referenz 1133B aus klassischem Edelstahl gefertigt war und über ein zeittypisches Plexiglas verfügte, setzt das aktuelle Modell auf modernste Materialien wie Titan Grade 5 und Edelstahl in Kombination mit einem beidseitig gewölbten Saphirglas.
Auch im Inneren der Uhr hat sich ein entscheidender technologischer Wandel vollzogen: Das bahnbrechende, modulare Kaliber 11 mit Mikrorotor aus den Pioniertagen des automatischen Chronographen wurde durch das hochmoderne, integrierte Manufakturwerk TH20-11 ersetzt. Dieser Wechsel sorgt nicht nur für eine deutlich gesteigerte Gangreserve von nun 80 Stunden (im Vergleich zu den ursprünglichen 42 Stunden), sondern macht die Uhr mit einer Wasserdichtigkeit von 100 Metern auch deutlich alltagstauglicher als das 30 Meter wasserfeste Original.
Besonders deutlich wird die Weiterentwicklung in der Bauweise. War die ikonische Platzierung der Krone auf der linken Seite beim Original noch eine rein technische Notwendigkeit des modularen Werks, so dient sie heute als bewusstes Designstatement. Die Monaco 2026 glänzt zudem durch eine optimierte Ergonomie und einen konvexen Gehäuseboden, was den Tragekomfort im Vergleich zur eher bulkigen Form der 1960er-Jahre massiv verbessert.
Fazit: Warum die Monaco 2026 ein „Wegweiser“ ist
Die Monaco 2026 versteht sich als echter Wegweiser für die Zukunft der Marke, da sie das ikonische Erbe mit zukunftsweisenden Innovationen verknüpft. Ein entscheidender Faktor ist dabei die deutlich verbesserte Ergonomie: Das neu gestaltete Gehäuse sorgt dafür, dass die markante quadratische Form nun an nahezu jedem Handgelenk einen exzellenten Tragekomfort bietet.
Zudem schlägt der gezielte Einsatz von modernen Materialien wie Titan in Verbindung mit aufwendig skelettierten Zifferblättern eine Brücke zur zeitgenössischen Haute Horlogerie. Nicholas Biebuyck zog hierbei sogar den Vergleich zu Marken wie Richard Mille, was den hohen technischen Anspruch der neuen Generation unterstreicht. Durch die konsequente Konsolidierung der Modelllinie gelingt es TAG HEUER zudem, den Fokus wieder voll auf die wesentlichen Kernelemente zu richten, die diese Uhr einst berühmt gemacht haben.
Die Monaco bleibt sich treu, indem sie sich mutig weiterentwickelt. Sie ist längst keine reine Retro-Uhr mehr, die nur von der Verbindung zu Steve McQueen lebt. Vielmehr hat sie sich zu einem modernen Statement-Piece gewandelt, das – genau wie das Original vor über 50 Jahren – die Grenzen des Uhrendesigns erneut verschiebt.
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Felix Janner
Hey Freunde, ich bin Felix! Meine Reise bei ALTHERR hat im Jahr 2020 als Freelancer begonnen. Angefangen habe ich damit, Artikel für das Magazin zu schreiben sowie den Instagram-Account von ALTHERR zu führen. Mittlerweile habe ich eine Ausbildung im E-Commerce angefangen und meine Aufgaben sind deutlich vielfältiger. Dennoch hält es mich nicht davon ab, hin und wieder mal einen knackigen Artikel für euch zu verfassen.



